Losung, 29.März 2026
2. Mose 33,15: "Mose sprach zum Herrn: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf!"
Johannes 12,13: "Sie nahmen Palmwedel und gingen hinaus, Jesus entgegen, und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!"
Gottes Gegenwart
Als Mose für den Geschmack des Volkes zulange auf dem Sinai bleibt, kommt die Frage auf: Haben wir überhaupt einen gegenwärtigen Gott? Aaron ist nicht stark genug, den Gott, der seine Gegenwart immer wieder bezeugt hat, durch Erinnerung an seine Heilstaten zu verkündigen, und bastelt dem Volk ein Gottesbild, das an die Religion anknüpft, die sie aus Ägypten kannten. Dadurch wird Gottes Gegenwart zum zentralen Thema von Kap. 33 – nicht weil Gott sie nicht gewähren will, sondern weil er sie entziehen muss. Gott beschließt, nicht mit dem Volk nach Kanaan zu ziehen. Er hat ihnen das Land versprochen, aber sie sollen alleine gehen. Das Volk zementiert mit seinem Charakter die Trennung von Gott. Auch die Stiftshütte wird ein gutes Stück außerhalb des Lagers aufgeschlagen. Moses Priesterdienst besteht nun darin, Gott in Gemeinschaft mit dem Volk zu halten. Wie schon auf dem Sinai, als Mose Gott von seinem heiligen Zorn abhalten mußte, wählt er Gottes Heiligkeit als Adresse seines Priesterdienstes: Gottes Wesen ist Gnade, und seine Verheißungen sind Treue, und beides kann er nicht verleugnen. Zu dem Dienst, den Mose hier stellvertretend für das Volk leistet, gehört die Unterordnung. Sie ist vielleicht zunächst mal ganz pragmatisch, weil alles andere das Volk der Gegenwart Gottes berauben und jeden weiteren Schritt sinnlos machen würde. Da diese Unterordnung aber nie auf Dauer funktioniert hat, ist sie stellvertretend wohl ein beständiger Teil des Priesterdienstes geblieben. Beim Einzug in Jerusalem geschieht unter der Überschrift „Gottes Gabe und Erwählung können ihn nicht gereuen“ das Gegenteil dieses Auszugs der Stiftshütte: Der gegenwärtige Gott zieht ein – nicht weil das Volk an seiner Trennung von ihm etwas geändert hätte, sondern weil er beschlossen hat, die Trennung zu beenden. Das „Hosianna!“ schlägt allerdings in dem Moment in „Kreuzige ihn!“ um, in dem die Führung merkt: Der kommt ja wirklich als König Israels. Das muss dann ganz schnell beendet werden. Jesus lässt seine Gegenwart aber nicht beenden. Mit Ostern und Pfingsten besiegelt er seine Gegenwart, mit Himmelfahrt besiegelt er seine Herrschaft. Und an seinem Kreuz entscheidet es sich, ob das auch für dich gilt.
