Losung 21. Juni 2026
Jona 2,3: "Ich rief zu dem Herrn in meiner Angst, und er antwortete mir."
2. Korinther 12,9: "Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft vollendet sich in deiner Schwachheit!"
Schwachheit
Jüdische Küche mal andersrum: „Gefillte Fisch“, nur halt mit Jona drin. Schwächer dürfte der sich in seinem Leben wohl auch nicht nochmal vorgekommen sein. An diesen Punkt musste Gott Jona bringen, damit er auch sonst seine Schwachheit erkennt. Wenn ein Prophet in die Gegenrichtung seines Dienstes geht, wird ja deutlich, was er aus sich selbst mitbringt. Jona dagegen wurde es nicht deutlich – wozu auch, er war ja Prophet. Erst im Fisch kam die Entscheidung: Entweder ich habe Gottes Kraft, oder ich habe gar nichts. Die Erfahrung, die Jona mit seiner Schwachheit und der Kraft Gottes macht, fasst er in ein Lob der Treue und Gegenwart Gottes: Ich muss keine Formulare ausfüllen und meine Notlage nicht darlegen; Gott ist da und reagiert, wenn ich rufe. Ich muss auch keine Bewährungszeit im Fisch absitzen; Gott ist treu, auch wenn ich untreu bin, „denn er kann sich selbst nicht verleugnen“ (2.Tim. 2,13). Paulus bezeugt einen antwortenden Gott. Die Antwort wird ihm aber vermutlich nicht gepasst haben. Sie entsprach nicht dem, worum Paulus gebeten hatte; dafür entspricht sie aber genau dem Wesen Gottes. Der Gott, der sagt: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“ (Jes. 55,8), ergänzt nicht die Vorräte des Paulus in einer Kooperation. Er behält sich vor, alles zu tun. Schwachheit ist eine heilsame Grenze, damit ein Ego sich nicht überhebt. Deshalb beseitigt Gott sie nicht. Aber er füllt sie aus, und zwar nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Seine Kraft passt genau in meine Schwachheit. Es gucken nicht auf jeder Seite noch 3 Meter Schwachheit raus. „Vollendung“ bedeutet hier, dass Gottes Kraft bis in die Enden meiner Schwachheit kommt. Schwachheit gibt Gott auch die Chance zur Korrektur; Stärke hat sowas nicht nötig. Vielleicht wird man deswegen manchmal geschwächt. Ein Schuss ins Knie vor dem Abgrund kann Leben retten. Jakob wurde auch erst zum Anbeter, nachdem Gott ihm die Hüfte verdreht hatte. So spuckt der Fisch Jona auf den Weg nach Ninive – hätte er auch ohne Lebertran haben können. Paulus schreibt in Römer 12, dass wir eine Haltung brauchen, in der wir den Willen Gottes prüfen können. Zu dieser Haltung muss man sicher manchmal erst befreit werden.
