Losung 19. Juli 2026
Psalm 6,2: "Ach, Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!"
2. Korinther 5,21: "Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir ihn ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt."
Keine Angst!
David erkennt die Heiligkeit Gottes und schließt daraus, dass Gottes Zorn über Sünde nie ohne Konsequenzen bleiben kann. Im Alten Bund war vorgesehen, dass diese Konsequenzen ein unschuldiges Tier tragen muss, aber David nimmt das in seinen Bußpsalmen alles persönlicher. Durch die Praxis der stellvertretenden Strafe lag vielleicht auch der Gedanke nahe, dass Sünde etwas ist, das weggeschoben werden kann. David dagegen bittet um Gnade ohne Gegenleistung, weil er erkannt hat, dass die Sünde ihn ebenso persönlich trifft, wie ihn die Strafe treffen müsste. Dieses Gnadenverständnis ist im Alten Testament noch eher verborgen, aber bei denen, die dem Herzen Gottes nahekommen, immer schon da. Bei ihnen haben Opfer immer eher mit Dank und Anbetung zu tun als mit Schuld. Vielmehr bekennt David in den Bußpsalmen immer wieder, dass Opfer zur Vergebung eigentlich gar nichts beitragen. Sie können die Sünde nur in die Geduld Gottes schieben, aber nicht dahin, wo das Meer am tiefsten ist. Wenn David um die Gnade bittet, ist er von der Gewissheit getragen, dass sein Offenbarungseid genau diese Gnade immer erreicht. Sich ehrlich machen, gerade in seiner Schuld, ist für David immer wieder der Schlüssel zum Herzen Gottes. David hat auch den Gnadenwillen Gottes in ganz entscheidender Weise verstanden. Sünde trennt ihn zwar von Gott, aber sie treibt ihn nicht von Gott weg, sondern im Gegenteil zu ihm hin. Auch ein tiefes Verständnis der Liebe Gottes findet sich hier, denn „Furcht ist nicht in der Liebe“ (1Joh. 4,18). Und so verbinden sich für David im Licht Gottes zwei Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen: Wahrhaftigkeit in Bezug auf sich selber und Freimütigkeit in Bezug auf Gott. Achtung, Heilsgeschichte: In Jesus Christus ist diese Verbindung voll gültig und mit der Substanz des Evangeliums gefüllt! Hier offenbart sich der Gnadenwille Gottes so völlig, dass der Sohn Gottes selbst alles trägt, was die Gnade hinter die Heiligkeit zurückstellen müsste. Hier tritt Gottes schenkende Gerechtigkeit so hervor, dass ich in völligem Freimut in sie eintreten kann, obwohl ich immer nur mein Sünder-sein zu bringen habe. Dass Jesus Christus für mich in völlige Vorleistung geht, obwohl er von mir nichts zu erwarten hat, schafft mir den Freimut, mit allem zu kommen, und die Zuversicht, mit allem angenommen zu werden. Ich komme als einer, der passend vor Gott hingestellt wird, obwohl an mir nichts Passendes ist. Das bedeutet „Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“.
