Losung, 09. August 2026
Jesaja 42,9: Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues. Ehe denn es sproßt, lasse ich’s euch hören.
Matthäus 13,37-38: Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt.
Gute Saat
Gott sät Gutes in eine Welt, die dem Bösen unterworfen ist. Er erwählt sich einen Menschen, mit dem er Heilsgeschichte in der Todesgeschichte schafft. Diesen Menschen macht er zu einem Volk, an dem er sich als seinem „heiligen Volk“, seiner „königlichen Priesterschaft“ verherrlichen will. Bei allem Zuwiderhandeln des Volkes ist sein Name dadurch doch in der Völkerwelt bekannt und kann gefunden werden.
Damit die Möglichkeit, ihn zu finden, nicht einfach im Allgemeinen bleibt, redet Gott. So kommt für sein Volk zum Priesterdienst auch das Prophetenamt. Es hat die verbindliche Wahrheit des heiligen Gottes zu verwalten und zu verkündigen. Von diesem Wort des Lebens soll es selber leben, und es soll dieses Wort zum Leben weitergeben.
Emil Brunners Thesen von der natürlichen Offenbarung sind zwar größtenteils falsch, stimmen aber in einem Punkt: „Dass ein Gott ist, wird seit Anbeginn der Schöpfung aus seinen Werken erkannt“ (Römer 1). Weiter als bis Römer 2 kommt man damit aber nicht: Offenbar gibt es einen Gott; dann versuchen wir mal, ihn irgendwie zu verehren. Für alles, was wir brauchen, um mit Gott ins Reine zu kommen und zu leben, sind wir aber auf sein Wort des Lebens angewiesen.
Jesus Christus hat mit seinem Wort des Evangeliums seinen Geist und seine Kraft verbunden, so daß es Vollmacht hat, Leben zu schaffen. Dieses vollmächtige Wort seines Lebens sät er in der Welt aus und schafft dadurch neue Menschen. Den Zusammenhang des Gleichnisses vom „Unkraut unter dem Weizen“ hat in Herrnhut wiedermal keiner verstanden, aber die Tatsache gilt ja auch beim Gleichnis vom „vierfachen Acker“.
Der Gott, der im Anfang das Leben geschaffen hat, hat den Plan, Leben zu schaffen, nie aufgegeben. Deshalb hat er seinen Sohn mitten in eine Welt des Todes geschickt, der sagt: „Ich bin gekommen, damit ihr das Leben und volle Genüge habt“. Und wie er am Anfang durch sein Wort Leben aus dem Nichts geschaffen hat, so schafft er Leben aus dem Tod durch das Wort seines Evangeliums.
Dieses Leben pflegt, bewahrt und regiert er dadurch, daß er es seiner Königsherrschaft unterstellt. Auch wenn der Acker, auf dem er sät, die Welt ist, ist das „Unkraut“, das mit aufgeht, nicht in der Lage, seinem „Weizen“ das Leben wieder zu nehmen. Gott wartet lange ab, bis er die Schnitter aufs Feld schickt, was mir oft eine Anfechtung ist. Das tut er aber, damit noch mehr Leben aufgeht. Unsere Gewißheit ist, daß diese Lebenssaat zwar „still wachsend“, aber nicht herrenlos aufgeht.
