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03.05.2026

Losung 03.Mai 2026

Richter 6,17: Gideon sprach zu dem Herrn: "Habe ich Gnade vor dir gefunden, so mache mir doch ein Zeichen, daß du es bist, der mit mir redet!"

Johannes 3,2: "Nikodemus sprach zu Jesus: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn, Gott mit ihm."

Zeichen

In der Bibel finden wir ganz verschiedene Umgangsweisen mit dem Thema Zeichen, die offenbar immer von der seelsorglichen Notwendigkeit abhängen. Bei einem verzagten Helden wie Gideon war ein Zeichen notwendig. Als die Hirten die Engel ankucken wie Postautos, sagt ein Engel: „Das habt zum Zeichen …“. Als die Pharisäer von Jesus Zeichen fordern, sagt er: Nö. Als Johannes wegen seiner Haft an Jesus zweifelt, fordert Jesus die Boten des Johannes auf: Kuckt hin! Gottes Messias muss sich ausweisen, sonst könnte ja jeder kommen. Deshalb sind in der Prophetie die Zeichen des Messias genau festgelegt. (Nachwachsende Goldzähne wie in Toronto gehören übrigens nicht dazu.) Die Zeichen begleiten das Eigentliche, und ohne das Eigentliche oder losgelöst davon haben sie keinen Bezug zu Jesus. Das Eigentliche ist: „Armen wird das Gnadenjahr des Herrn verkündigt“. Solchen, die nichts zu bringen haben, wird verkündigt, dass sie vor dem heiligen Gott von allen Schulden befreit werden. Wo dieses Evangelium neu hinkommt, hat man oft noch die „mitfolgenden Zeichen“. Wo Jesus und sein Evangelium längst bekannt sind, sind diese Zeichen nicht mehr nötig. Wo sie trotzdem gefordert werden, führt der Weg von Jesus weg. Nikodemus zeichnete sich dadurch aus, dass er den Personal-Ausweis des Messias lesen konnte. Aber so ganz barrierefrei war das alles doch noch nicht; er brauchte die persönliche Begegnung mit Jesus. Obwohl die Zeichen klar waren, war ihm ihre Deutung doch nicht ganz klar, weil sie von seinen Erwartungen überlagert wurde. Diesen Erwartungen musste Jesus begegnen, und das tat er, wie es erforderlich war – auch in einem etwas strengen Ton. Gideon begegnete Gott mit dem, was nötig war, um seine Verzagtheit zu überwinden. Zeichenforderungen, die Gott oder Jesus gar nicht meinen, sondern nur die Zeichen als solche, begegnet er gar nicht. Gideon ist das Parade-Beispiel dafür, wie genau Gott die Glaubenskraft seiner Leute sieht, wie er sie in seine Hand nimmt, und wie er in seiner Seelsorge damit umgeht. An Gideons Geschichte kann man aber auch sehen, welche Kraft Gott selbst in seine Vorhaben investiert. Man muss sich das ja mal vorstellen: Gideon soll vor der Schlacht erstmal alle Soldaten nach Hause schicken. Wie mag der sich vorgekommen sein? Vielleicht konnte Gott ihn gerade wegen seiner Verzagtheit gebrauchen, weil er nicht auf sich selbst vertraute und wusste, dass die Kraft von Gott kommen muß.