Losung 01. Februar 2026
Hosea 6,4: "Eure Liebe ist wie der Tau, der frühmorgens vergeht."
Johannes 15,9: "Bleibt in meiner Liebe!"
Lebensliebe
Wiedermal haben die beiden Verse außerhalb von Herrnhut keinen erkennbaren Zusammenhang. Die Liebe, zu der Jesus einlädt, hat mit der verräterischen Liebe Israels nichts zu tun. Ich würde einen Vergleich sogar für vermessen halten. Jesu Bild vom Weinstock, das seiner Einladung zur Liebe vorausgeht, schildert die organische Verbindung, die Jünger Jesu zum Leben brauchen. Die Kraft, die aus dem Weinstock fließt und dieses Leben schafft, ist die Liebe Jesu. Es handelt sich also um eine Qualität von Liebe, auf die die Jünger niemals irgendwie in gleicher Weise antworten könnten. Sie können nur der Einladung folgen und das Leben annehmen. „Wer den Sohn hat, der hat das Leben. Wer den Sohn nicht hat, der hat auch das Leben nicht.“ Deshalb: „Bleibt in mir und ich in euch!“. Während Gottes Analyse bei Hosea zwar bitter klingt, sind die Konsequenzen, von denen Jesus redet, vernichtend: Wer nicht in ihm bleibt, wird abgeschnitten und ins Feuer geworfen. Heilsgeschichtlich ist es bei Jesus nicht mal mehr die antwortende Liebe, um die es noch bei Hosea geht; es ist das Ergreifen- und Sich-bestimmen-lassen von der Liebe Jesu: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt“. Die Frucht ist der Beweis für die organische Lebensverbindung der Rebe mit dem Weinstock. Was hier also Liebe ist, das ist vom Weinstock in die Rebe gebracht, nicht aus der Rebe zum Weinstock. Wenn nun die Rebe dürr wird, so ist das wohl kaum der fehlenden Kraft des Weinstocks zuzuschreiben. Deshalb sagt Jesus: „Bleibt in meiner Liebe“, rettet euer Leben! Denn „eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird abgeschnitten und ins Feuer geworfen“.
